Albert Pürgstaller ist ein guter Bürgermeister. Er hat die Gemeindepolitik und –verwaltung aufgemöbelt und in nur zweieinhalb Jahren überfällige Reformen und Maßnahmen entschieden durchgezogen. Die Verwaltung wurde durch die Besetzung mit qualifizierten Spitzenleuten und Maßnahmen wie den Bürgerschalter dynamisiert; im Bereich Verkehr hat der von Pürgstaller im Oktober 2005 eingeführte Citybus den ÖPNV gestärkt, an der Westumfahrung wird entschlossen gebaut. In der Raumordnung wurden spekulative Manöver abgewehrt, der Stadtgestaltung erhöhter Wert beigemessen und ein Masterplan zur Entwicklung vorbereitet. Der Schulsektor wird um neue Schulbauten bereichert und der Versuch unternommen, die Universität stärker in die Stadt einzubeziehen. Brixens Rolle als Sportstadt wird gepflegt, das Eigengewicht der Fraktionen sorgsamer auf die Stadt abgestimmt. Pürgstaller beweist von der Raumordnung zur Bildungs- und Kulturpolitik Kompetenz in vielen Feldern der Politik.
 
Die Ergebnisse sind nicht primär die Folge sorgfältig gepflegter Teamarbeit, sondern gründen vorab auf den Fähigkeiten und der Entschlossenheit des Stadtoberhaupts, auch auf seinem Populismus. Pürgstaller integriert durch Überzeugungskraft, ist aber vor allem ein Leitwolf, der seine Stadträte mit harter Hand an die Kandare nimmt. Obwohl er sich nach außen jovial und schulterklopfend gibt, zeigt sich deutlich: Wer ihm bedingungslos folgt und erfolgreich spurt, wie die Stadträtin Paula Bacher Marcenich (die eigentliche Überraschung im Stadtrat), wird gefördert, während Hoffnungsträger wie Magdalena Amhof oder erst recht Peter Brunner blass geblieben sind; Gemeindereferent Stockner ist kaum mehr bzw. nur mehr in den Fraktionen existent. Vizebürgermeister Stablum hat trotz ewiger Evergreen-Qualitäten nur mehr wenig Sichtbarkeit.
Das Image des Bürgermeisters wird durch sorgfältige Medienarbeit und Eigenprofilierung mithilfe seiner persönlichen Referentin gestützt, die dazu führen, dass er täglich mit mehreren Aktionen in der ihm wohlgeneigten Presse auftritt. Der albertinische Hang zur Selbstdarstellung hält immer wieder nahe der Grenze zur Eitelkeit. Die Kehrseite seiner Dynamik ist eine erhebliche Reizbarkeit, die sehr plötzlich in Aggressivität umschlagen kann.
Durch seinen Führungsstil und dank seiner Medienpräsenz präsentiert sich Pürgstaller als „Durnwalder der Arbeitnehmer“. In dem in der späten Ära Seebacher an langer Leine und mit vielen Unwägbarkeiten geführte Brixen wird die „Politik der harten Hand“ vorerst als positiv erlebt, da vorausschauende Planung und Dezisionismus gut ausbalanciert erscheinen.
 
Die von Pürgstaller demonstrierte Härte stößt freilich immer wieder an andere und eigene Grenzen: Dies gilt für die Beziehung zur Opposition, deren wesentliche und konstruktive Beiträge immer wieder vom Tisch gewischt werden. Eines der Hauptziele Pürgstallers ist es, die SVP wieder deutlich über die 50%-Marke zu heben und die Opposition wieder zu Kleinparteien zu degradieren. Dabei verzichtet er bewusst auf die Kooperation mit der Grünen Bürgerliste in wichtigen Sachfragen und setzt lieber auf Ausgrenzung.
Der demokratische und partizipative Anspruch, mit dem Pürgstaller in seinen Anfängen in Gemeinde und Landtag aufhorchen ließ, ist längst einer entschiedenen Machtpolitik gewichen.
Neben diesen langfristig gravierenden Schwächen fehlender Teambildung bis hin zur ständigen Selbstinszenierung ist sein Verhältnis zur italienischen Sprachgruppe problematisch geblieben. Es zeigt ein bemühtes und angestrengtes Zugehen auf die Italiener Brixens, aber nicht jene Öffnung, die er früher vertreten hat. Es mangelt an Mut zur Mehrsprachigkeit, die Förderung mehrsprachiger Bildungsreinrichtungen ist kein Thema, da Pürgstaller zu gut weiß, dass seine wichtigsten Bastionen in den mehrheitlich deutschsprachigen Landfraktionen liegen.
Die Umweltpolitik beschränkt sich vor allem auf Infrastrukturmaßnahmen, während jener notwendige Umstellungsprozess, den die Klima- und Energiewende erfordert, nicht geleistet wird. Es bedarf viel klarerer Schritte gegen die individuelle Mobilität, einer Ermutigung des Rad- und Personenverkehrs und einer Eindämmung des Autoverkehrs. Hier wären nachdrückliche Kampagnen mit den Schulen notwendig, auch persönliche Signale, die Wirkung zeigen würden.
Nur schwer verzeihen schließlich viele Bürger den Zugriff des eben gewählten Bürgermeisters auf die Präsidentschaft des Wohnbauinstituts, mit dem er den Verzicht auf das Landtagsmandat finanziell kompensiert hat. Auf viele Brixnerinnen wirkte (und wirkt) das im November 2005 übernommene Amt wie das Eingeständnis, sich nach frisch geschlossener Ehe eine Geliebte zulegen zu wollen.
 
Pürgstallers effizienter Populismus zeigt daher zum einen gute und anerkennenswerte Ergebnisse, lässt jedoch bei aller Handlungsstärke immer wieder jene Großzügigkeit und den Weitblick vermissen, den sich viele Bürger wünschen. Pürgstaller ist geachtet, wird aber weniger geliebt, als er sich dies wünschte: zu eindeutig ist sein Buhlen um Anerkennung, kaum verhohlen die Verachtung, die er Gegnern, aber auch den Schwachen in der Partei entgegenbringt.